Welt der Wachse: Pflanzenwachse

Manche Pflanzen bilden eine durch Anlagerung sekundärer Zelluloseschichten verdichtete Epidermis aus. Bedingt durch das Klima speichern zahlreiche Pflanzen tropischer Zonen als erhöhten Schutz gegen Wasserverdunstung zusätzliche Wachse in den Membranschichten und in der Cuticula. Die Wachse treten aus der Cuticula nach außen und bilden mehrere Millimeter starke Wachsüberzüge. Für die Wachsbildung sind aber auch die Bodenbeschaffenheit, die Temperatur, Trockenperioden und starke Regenfälle verantwortlich.

Carnaubawachs

Copernica prunifera ist eine in Brasilien verbreitete Fächerpalme. Aus ihr wird das anwendungstechnisch und ökonomisch bedeutendste rezente Pflanzenwachs, das Carnaubawachs gewonnen. Die Palmen werden 6-12m, selten bis 20m hoch, und sollen ein Lebensalter bis zu 200 Jahren erreichen können. Ab einem Alter von ca. 8 Jahren liefert ein Blatt einen Wachsertrag von 5-7g; die jährliche Wachsausbeute pro Palme beträgt etwa 150g. Jährlich werden zweimal etwa 20-30 Blätter pro Palme geerntet. Nach dem Trocknen der Blätter wird das Wachs manuell oder maschinell abgeklopft, durch Schmelzen über Wasser und durch Filtration gereinigt und zu Blöcken vergossen. Hexeln und Windsichten der getrockneten Blatteile führt dann zu einem Gemänge aus 60 % Wachs und 40 % Pflanzenteilen. Dies wird mit Wasser und Oxalsäure zu einem Brei angerührt, aufgekocht und durch einen Filter gepreßt. Je nach Klimaverlauf, Alter der geernteten Blätter und regionaler Aufbereitung gibt es gelbe und grüne Wachssorten. Die Raffination der gebleichten Carnaubawachse gelingt nur durch eine tiefgreifende chemische Veränderung, bei der letztlich Verschnitte von chemisch modifiziertem Carnaubawachs entstehen. Carnaubawachs ist eines der härtesten und höchstschmelzenden Naturwachse. Es hat eine fein- kristalline Struktur, bei Raumtemperatur hat das Wachs einen schwachen aromatischen Geruch, in geschmolzenem Zustand einen heuähnlichen Duft. Es ist mit fast allen natürlichen und synthetischen Wachsen sowie einer Anzahl von Natur- und Syntheseharzen verträglich. Es ist in den meisten unpolaren Lösemitteln gut löslich und bei Temperaturen über dem Schmelzpunkt in jedem Verhältnis mit ihnen mischbar. Geringe Zusätze von Carnaubawachs zu anderen Wachsen erhöhen den Schmelzpunkt bzw. Erstarrungspunkt, Tropfpunkt und Härte. Bei Paraffinen wird außerdem die Neigung zur Großkristallinität unterdrückt. Bei weichen Wachsen wird eine vorhandene Klebrigkeit vermindert. Auf der Fähigkeit des Carnaubawachses glänzende und polierbare Filme sowie Pasten zu bilden und auf seiner Dispergierbarkeit beruht die Anwendung im Putz- und Pflegemittelgebiet, bei der Herstellung von Bodenpflege- und Reinigungspräparationen, von Auto- und Möbelpolituren sowie von Schuhputzmitteln. Weiterhin erfolgt seine Anwendung auf dem Gebiet der Farbband- und Kohlepapierherstellung. In der Lederindustrie wird Carnaubawachs für Schnittwachse, Ausputzwachse, und Poliertinten verwendet. Weitere Anwendungsgebiete sind die Beschichtung von Zitrusfrüchten, die Kaugummiherstellung und als Polierwachs für die Fertigung von Pillen und Dragees.

Candellilawachs

Candellilawachs Das Candellilawachs kommt auf Stengeln und Blattresten der Euphorbia vor. Diese in strauch- bzw. staudenartiger Wuchsform auftretenden Pflanzen findet man in den Halbwüsten Südkaliforniens, Arizonas, im Südwesten von Texas, in Nordmexiko und in Teilen Mittel- und Südamerikas. Bei der von Hand getätigten Ernte werden die Pflanzen ausgerissen. Dabei bleibt ein großer Teil der Wurzeln im Boden, die ebenso wie verstreute Samenkörner das Nachwachsen neuer Stauden garantieren. Das Pflanzenmaterial wird in offenen Kesseln mit ca. 0,2 % Schwefelsäurezusatz gekocht. Der Schwefelsäurezusatz verhindert eine Emulgierung des Wachses, welches sich schmelzflüssig an der Oberfläche sammelt. Nach dem Abschöpfen erstarrt es zu Rohwachs. Von den erstarrten Wachsblöcken wird ein Teil mit den angereicherten Verunreiniungen abgeschlagen und erneut dem Auskochprozeß zugeführt. Durch Filtrieren wird das Wachs gereinigt. Nach Zerkleinerung des Wachses kommt es in Brockenform in den Handel. Candelillawachs ist ein hartes Wachs mit sprödem Bruch. Es verhält sich hinsichtlich seiner Löslichkeit analog dem Carnaubawachs. Mit heißem Ethanol und mit Aceton lässt sich ein Großteil des im Wachs enthaltenen Harzes bei Raumtemperatur extrahieren. Farbe (braun-braungelb, fahlgelb) und Reinheitsgrad sind abhängig von klimatischen Einflüssen der Pflanz- und Erntezeit. Candelillawachs ist Bestandteil von Kaugummis, Papier- und Kartonbeschichtungsmassen, kosmetischen Präparaten, Schmelzklebern, Schuhputzmitteln sowie Kohlepapier-Farbmassen.

Zuckerrohr- Wachs

Tritt als pulveriger hell- bis dunkelgelber Belag an den Stengeln des Zuckerrohrs auf. Das wichtigste Verfahren der Gewinnung ist die Extraktion der, bei der Zuckerrohraufarbeitung anfallenden getrockneten Filterpreßkuchen. Das Rohwachs lässt sich durch Behandeln mit Lösungsmitteln (z.B.Aceton) vom Hauptteil der Fette und Öle befreien. Rohes Zuckerrohrwachs stellt eine halbfeste, schwarzbraune bis grün-braune Masse von unangenehmen Geruch dar. Zuckerrohrwachsraffinate sind heute gegenüber Carnaubawachs auf dem Weltmarkt preislich nicht konkurenzfähig. Zuckerrohrwachs kann auf dem Putzmittelgebiet (Böden, Schuhe), bei der Herstellung von Kohlepapier, in Imprägnierungsmitteln, und bei der Herstellung von Kompositionswachsen anteilig verwendet werden.

Jojoba- Öl

Jojoba- Öl Jojoba-Öl zählt zwar nicht zu den Wachsen, aber seine chemische Zusammensetzung gestattet seine Einordnung als "flüssiges Wachs". Der Jojoba-Strauch ist in der Wüstenregion Nordamerikas (Arizona-Kalifornien) bis in den Norden Mexikos zu Hause. Die Besetzungsdichte beträgt einige bis 500 Pflanzen/ha; in einigen bevorzugten Teilen wachsen viele Millionen Jojoba-Sträucher. Diese Sträucher tragen Fruchtkapseln, die 1-3 Nüsse unterschiedlicher Größe enthalten können. Der Ernteertrag wildwachsender Jojoba-Sträucher kann sich bis zu 14kg Nüsse/ Pflanze bewegen; der Durchschnitt liegt etwa bei 1,8kg/ Strauch. Das Öl von den Nüssen wird durch Extraktion vollstänig isoliert. Jojoba-Öl ist ein fast farbloses bis goldgelbes, geruchloses und ungesättigtes Öl. Durch Hydrierung erhält man aus Jojoba-Öl ein hochkristallines, relativ hartes Wachs. Auf den Weltmarkt besteht eine große Nachfrage nach einem Sperm-Öl-Substitut. Jojoba-Öl ist auch ein interessanter Rohstoff bei der Herstellung von Hochleistungsschmierstoffen.

Sonstige Wachse

Ouricuriwachs
Wächst auf den Blattwedeln einer Federpalme im brasilianischen Staat Bahia. Die Gewinnung wird durch die starke Haftung des Wachses an den Blatteilen erschwert. Sie erfolgt durch mechanisches Abschaben bzw. Abkratzen. Das Rohwachs wird in heißem Wasser geschmolzen und zur Nachreinigung durch Filtertücher oder Siebe filtriert. Ouricuriwachs ist hinsichtlich seiner Härte, Glanzgabe, Löslichkeit sowie seiner Härtungsfähigkeit gegenüber weichen Wachsen, dem Carnaubawachs sehr ähnlich. Seine Farbe ist dunkler als die der dunklen Carnaubawachse. Früher wurde das Wachs aufgrund seines günstigen Preises in Bohnermassen, Schuhcremes und Kohlepapier- Farbmassen anstelle von Carnaubawachs verwendet. Aufgrund von Preissteigerung ist die Verwendung stark zurück gegangen.
Retamowachs
Bulnesia retama kommt in Argentiniens Trockenzonen als Strauchwerk und als Baum wildwachsend vor. Nach dem Trocknen der Äste und Zweige im Sommer, kann der Wachsbelag mechanisch geerntet werden. Das Rohwachs wird durch Filtrieren mit Schwefelsäure gereinigt. Retamowachs ist ein hell- bis mittelbraunes, geruchloses und hartes Wachs. Man charakterisiert das Wachs an den typischen Kettenlängenverteilungen der enthaltenen geradzahligen Wachssäuren, Alkohole und Paraffine. Es hat eine begrenzte Bedeutung auf dem argentinischen Markt. Es wird für Bodenpflegemittel, Autopolituren und Schuhcremes sowie bei der Herstellung von Polituren und Kohlepapieren verwendet.
Weitere Pflanzenwachse
Eine kleine Bedeutung kommt noch weiteren Pflanzenwachsen zu, wie z.B. Bambuswachs, Korkwachs, Teewachs, Reiswachs, Hanfwachs, Baumwollwachs, Kaffeewachs u.a.

Pflanzenwachse | Tierwachse | Fossile Wachse


Sie werden automatisch weitergeleitet. NUR wenn Ihr Browser die automatische Weiterleitung nicht unterstuetzt, klicken Sie bitte HIER.